KÄRNTEN - Garnitzenklamm - Naturarena Kärnten

 

Tour: Garnitzenklamm
Region: Karnische Alpen / Naturarena Kärnten
Charakter: Familien-
und Wandertour; Klammwanderung - Geotrail in der Region "Naturarena Kärnten"
Anreise: von Villach auf der A2 bis Arnoldstein, weiter auf der B111 nach Hermagor-Möderndorf
Höhendifferenz: ca. 500 m
Gehzeit: 4 - 5 Stunden


200 Millionen Jahre Erdgeschichte begegnen dem Besucher in der Garnitzenklamm in Kärnten. Der Eingang zur Klamm liegt zwei Kilometer südlich von Hermagor (Ausgangspunkt Eggeralm-Landesstrasse) bei Möderndorf.

Die Garnitzenklamm wird vom Alpenverein regelmässig gewartet. Um eine gefahrlose Begehung zu ermöglichen wurden Brücken und Steige errichtet, sowie Seile verlegt. Ein Unkostenbeitrag zur Erhaltung ist am Klammeingang zu bezahlen. Eine Begehung ist nur mit gutem Schuhwerk erlaubt.

Kurz nach dem Einstieg in die Garnitzenklamm begegnet man den ersten Zeugen der geologischen Zeitgeschichte. Der glatte Urbanifelsen rechts vom Steig ist aus Bänderkalken aufgebaut. Die Wand ist eine sogenannte Störungsfläche. Hier grenzen unterschiedliche Gesteine – Bänderkalk und grünlichgrauer Schiefer – aneinander. Diese Gesteine wurden gegeneinander bewegt.

Bald quert man die zweite Klammbrücke. Unten sieht man das Bachbett des Garnitzenbaches. Dieser Bach hat im Laufe von Jahrmillionen eine sechs Kilometer lange Klamm geschaffen.

Das Gestein hier ist etwa 450 Millionen Jahre alt. Die schiefrigen und tonigen Ablagerungen gehören zu den ältesten in den Karnischen Alpen. Diese Gebirgsgruppe beginnt südlich der Gail und erstreckt sich bis nach Italien. Man vermutet, dass das Gestein in diesem Klammteil in der Küstennähe eines mässig warmen Flachmeeres entstanden ist.

Beim Blick zurück sieht man die beeindruckenden Bänderkalkwände besonders gut. Oben auf dem Urbanifelsen steht die Urbani Kapelle. Der abschliessende Streckenteil führt an der Kapelle vorbei.

Nach einem kurzen Stück aufwärts lädt ein Wasserfall bei der Ida Warte zu einer ersten Rast ein. Die Enge der Klamm wird hier besonders deutlich sichtbar. Diese Enge, welche auf eine rasche und starke Erosion hinweist, unterscheidet eine Klamm von einer Schlucht.

An dieser Klammstelle sollte man sich den Bachverlauf genauer ansehen. Das Wasserschauspiel eröffnet im Detail interessante Muster und Strukturen.

Grosse Steine bieten eine gute Sitzgelegenheit. An heissen Sommertagen empfindet man den Sprühregen des Wasserfalls als sehr angenehm. Die weissen Stellen der Mischgesteine bestehen aus Granit.

Die faszinierenden visuellen Eindrücke erscheinen bei Sonnenlicht besonders intensiv. Auch die Akustik in der Garnitzenklamm ist sehr vielfältig. Je nach Fliessgeschwindigkeit des Wassers und der Schluchthöhe und –breite ergibt sich ein abwechslungsreiches Hörspiel.

Im folgenden Abschnitt kann man die für Klammen typischen senkrechten, teilweise gar überhängenden, Wände sehr gut erkennen.

Nach einem kurzen Stück aufwärts erreicht man den engsten und einen der interessantesten Klammabschnitte. Von der Brücke hat man einen beeindruckenden Ausblick auf zahlreiche Wasserfälle. Im Wasser rotierende Felsbrocken haben faszinierende Formen ins Gestein modelliert.

Neben den Formen sind auch die Gesteinsfarben abwechslungsreich. Eisenverbindungen geben den Felsen einen rötlichen Farbton. Graugrüne Farbtöne weisen auf Schieferbestand hin.

Von der Franzenswarte hat man einen guten Überblick über die 380 Millionen Jahre alten geologischen Formationen. Faszinierend sind auch die in den Klammwänden wachsenden Pflanzen. Auch diese können Gesteine in geringem Ausmass verändern.

Neben tiefen Strudeltöpfen haben die rotierenden Gesteinsblöcke und Kiesel runde Felsnischen und Kolke im Bachbett geformt.

Ein gemütlicher Rastplatz wird erreicht. Da es im gesamten Klammbereich keine Einkehrmöglichkeit gibt, sollte man eine kleine Jause nicht vergessen. An erfrischendem, kristallklarem Wasser mangelt es auf der gesamten Klammstrecke sicher nicht.

Die Gebirgsfaltung ist in den Gesteinen hier besonders gut zu erkennen. Über Jahrmillionen wurden während der Gebirgsbildung Schichten zusammengepresst. Sie wurden zuvor am Meer abgelagert. Diese Schichten sind an ihren unterschiedlichen Farben zu erkennen.

Die Klamm wird von der Alpenvereinssektion Hermagor gewartet. Die Erschliessung begann bereits gegen Ende des 19.Jahrhunderts (1891). Ab 1900 war die Garnitzenklamm bereits durchgehend begehbar.

Durch die starke Pressung während der Gebirgsbildung entstanden richtige Falten im Gestein. In den meisten Regionen der Karnischen Alpen kann man diese Falten heute nicht mehr erkennen, da sie durch tektonische Bewegungen zerstört und zerkleinert wurden. Die erhaltenen Falten bilden eine geologische Besonderheit der Garnitzenklamm.

Eine weitere Brücke führt wieder auf die andere Seite des Garnitzenbaches. Die gewaltigen Wassermassen, welche nach starken Regenfällen durch die Klamm schiessen, zerstören immer wieder Brücken. Es ist, wie man sich leicht vorstellen kann, nicht einfach das Material für neue Brücken in die stellenweise sehr enge Klamm zu transportieren.

Am Ende des zweiten Klammabschnittes gibt es die Möglichkeit die Klamm zu verlassen und über eine Forststrasse oder einen Wandersteig zurück zum Klammeinstieg zu gehen.

Kurz nach Beginn des dritten Klammabschnittes gelangt man zu einem Notunterstand. Der Steig führt im folgenden Abschnitt abermals durch eine enge Schlucht. Dort sind wieder Bänderkalke vorherrschend.

Die nächste Brücke markiert den Übergang zu einem weiteren geologischen Abschnitt. Die hellen Bänderkalke enden nun. Die sogenannte „Schwarzwipfel-Störung“ bildet die Trennlinie und führt in einen wesentlich jüngeren Klammabschnitt. Hier beginnt die „Schwarze Wand“.

Die riesigen Gesteinsbrocken im Bachbett befinden sich noch immer in Bewegung. Nach starken Regenfällen oder bei Hochwasser entwickelt das Wasser gewaltige Kräfte, welche zum Weitertransport der riesigen Steine führen. Wer die Klamm in regelmässigen Abständen durchwandert kann also Zeitzeuge der Veränderungen in der Garnitzenklamm werden.

Die Klamm öffnet sich bald zu einem, an einen Graben erinnernden, Einschnitt. Die Region gehört zum Gartnerkofel. Hier befindet sich eine sogenannte Bruchzone. Diese durchzieht das gesamte Gebirge.

Das rötliche Gestein hier ist Trogkofelkalk. Diese Steine wurden vom Trogkofel am Nassfeld durch die Erosion hierher transportiert.

Der Weg führt nun durch den Wald etwas abseits vom Bachbett aufwärts.

Bei einer weiteren Brücke stürzt das Wasser des Garnitzenbaches wieder in einem Wasserfall ins Tal. Unter dem Wasserfall liegt eine Felsstufe. Diese befindet sich auf einer Decke, die aus fossilreichen ungeschichteten grauen und rötlichen Kalken besteht.

Nach Querung der Forststrasse beginnt der vierte Abschnitt der Klamm. Dieser erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Der Klammsteig ist hier teilweise sehr schmal und von den für Klammen typischen überhängenden und steil abfallenden Wänden gekennzeichnet. Der gewartete Steig ist an ausgesetzten Stellen mit Seilen versichert.

Die Garnitzenklamm führt in diesem Abschnitt durch Kalkgebiet. Man kann auf beiden Seiten der Klamm dunkle Kalke, welche geschichtet sind, erkennen. Der Fachausdruck dafür ist „Obere Pseudoschwagerina-Formation“. Die Entstehung dieses Gesteins wird vor ungefähr 280 Millionen Jahren angenommen.

Die Klause am Ende des Steiges wurde im Jahr 1925 erbaut. Hier befindet man sich in hellem, ungeschichtetem Kalkgestein. Die Klause markiert den letzten und höchsten Haltepunkt. Bei den einzelnen Haltepunkten informieren Tafeln über die geologischen Besonderheiten des jeweiligen Klammabschnittes.

Eine kurze Rast ist wohl verdient. Ingesamt sechs Kilometer Streckenlänge hat man nun hinter sich gebracht. Die Garnitzenklamm ist der längste Geotrail Europas.

Vom Klammende führen verschiedene Wanderwege weiter bis zum Nassfeld. Dieses liegt hinter dem Gartnerkofel. Für eine Wanderung zum Nassfeld benötigt man noch drei bis vier Stunden.

Zurück geht es nun auf der Forststrasse, die oberhalb der Klamm verläuft.

Vom Weg eröffnen sich immer wieder beeindruckende Blicke in die Garnitzenklamm. Kurz vor der Urbani Kapelle sieht man hinunter zu dem ersten Wasserfall der Klamm. Die tiefen Einschnitte und Wände beeindrucken auch hier.

Vom Wanderweg führt ein markierter Abzweig hinauf zur Kapelle St.Urban. Die Glocke der Kirche darf nur geläutet werden, wenn jemand heiraten möchte. Urban ist der Patron des Weinbaus und der Fassbinder.

Von der Kirche geht es zunächst weiter durch den Wald abwärts. Das letzte Stück zurück zum Parkplatz beim Klammeingang führt entlang der Landstrasse. Ein Tag mit einer nicht alltäglichen Reise durch 200 Millionen Jahre Gesteinsgeschichte findet seinen Ausklang.